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Liebe Leserinnen und Leser, im Sommer, wenn alles grünt und blüht und die Sonne scheint, erleben wir die Schönheit der Natur in besonderer Weise. Wir werden aufgefordert, bewusster und aufmerksamer in der sogenannten „ersten Bibel“ - der Schöpfung Gottes - „zu lesen“. Wenn wir betrachten, was Gott für uns erschaffen hat und womit ER uns jeden Tag neu beschenkt, kommen wir nicht an dem Gedanken vorbei, überdie Weisheit Gottes zu staunen und die Schönheit seiner Schöpfung zu bewundern und ihn, den Schöpfer, zu loben und anzubeten.

Traditionell denken wir über die Erschaffung der Welt als ein hartes Unternehmen, weil nach sechs Tagen Arbeit, Gott am siebten Tage ruhte. Die Sprüche Salomo  8: 22-36) hingegen stellen uns ein ungewöhnliches, ein überraschendes Bild von der Schöpfung und Weisheit Gottes vor Augen. Salomo lässt die Schöpfung selbst zu Wort kommen und sie preist den Schöpfer in einer wunderbaren, bildreichen Sprache: „Der HERR hat mich schon gehabt im Anfang seiner Wege, ehe er etwas schuf, von Anbeginn her…Als ER die Erde noch nicht gemacht hatte…war ich beständig bei ihm; ich war seine Lust täglich und spielte vor ihm allezeit.“

Ist das nicht überraschend, dass die Weisheit die Erschaffung der Welt weniger als harte Arbeit darstellt, sondern vielmehr als einen spielerischen Schöpfungsakt? Die Weisheit erzählt, wie Gott mit ihr gespielt habe, noch bevor die Welt erschaffen
wurde. Die Erschaffung der Welt stellt sie, die Weisheit, dar als ein „Kinderspiel“. Fast spielerisch wird dem Chaos eine Ordnung gegeben. Was Gott in seiner Weisheit fast spielend erschuf, hatte Hand und Fuß, Berg und Tal, Himmel und Erde, Quelle und Meer, Fluss und Ufer. Überall ist die Weisheit dabei, spielend und tanzend, voll Freude und Lust. Und dennoch ist sie beständig dabei, die Welt zu prägen und zu ordnen. Dieses kommt hierhin, jenes dorthin. Das hat hier seinen Platz und jenes dort seine Berechtigung.

Und in diesem spielerischen Schöpfungsakt war die Weisheit ein Kind, ein spielendes Kind, Gottes Kind, erstes Geschöpf, sein Liebling. Gott schafft mit leichter Hand für die Weisheit ein zu Hause. Er baut die Welt wie ein Kinderzimmer um die Weisheit herum: Himmel, Quellen, Berge, Meere richtet er ein. Die Weisheit wohnt als göttliche Gegenwart in der Welt und begegnet uns, den Menschenkindern. Ein Spruch stellt fest: „Die Kinder kennen weder Vergangenheit noch Zukunft, und - was uns Erwachsenen kaum passieren kann - sie genießen die Gegenwart.“ Das Kind ist, die Kinder sind ein Bild, es  macht unsere Herzen weich. Das wissen wir alle und nicht nur von unseren eigenen Kinder und Enkelkinder, sondern von allen Kindern, wenn wir sie zum Beispiel beim Spielen beobachten. „Kinder erfrischen das Leben und erfreuen das Herz“ heißt es in einem Spruch. In Kindern erfahren wir immer was Göttliches. Nicht um-sonst hat Jesus gesagt: „So ihr nicht werdet, wie die Kinder, könnt ihr nicht in das Himmelreich kommen.“

Besonders im Sommer, wenn wir die Vielfalt der Farben und Formen der Blüten, der Schmetterlinge, der kleinen und großen Pflanzen und Tiere hautnah erleben, merken wir, das alles hat etwas Spielerisches und Schönes in sich. Es ist ein sichtbarer Ausdruck der Weisheit Gottes. „Wie wunderbar sind deine Werke!“ heißt es in Psalm 66:3. Am Anfang, also spielt die Weisheit – zweckfrei, planlos, freudig, selbst-vergessen, ganz im hier und jetzt versunken. Die Welt ändert sich von Tag zu Tag, immer schneller – aber die Kinder spielen noch immer, wie vor langen Zeit. Was für eine Beruhigung und was für ein Trost. Die Welt mag sein wie sie will – so lange die Kinder spielen wie eh und je, hat unsere Welt eine Zukunft. Die Weisheit spielt und scheint Gott anzustecken mit ihrem Spiel. Kann dieses Spiel auch uns anstecken und mit tiefer Freude, mit Staunen und Dankbarkeit erfüllen, so dass wir alle in uns das Kindliche, das Spielerische entdecken? Liebe Leser, das wünsche ich Ihnen von ganzem Herzen! Einen fröhlichen, verspielten Sommer!

Ihre Pfarrerin
Sandra Gintere

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Tageslosung

Tageslosung von Montag, 06. Juli 2020
So fern der Morgen ist vom Abend, lässt er unsre Übertretungen von uns sein.
Wo die Sünde mächtig geworden ist, da ist die Gnade noch viel mächtiger geworden.

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