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Jesus aber sprach zu Ihnen: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern, und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten. (Joh. 6,35)

Liebe Leserin, lieber Leser,

in den kommenden 3 Monaten April, Mai und Juni wird uns die Freude und die Botschaft des Osterfestes in besonderer Weise begleiten. Mit dem altkirchlichen Ostergruß „Christus ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden!“ haben wir uns am Ostermorgen freudig begrüßt. Nun dürfen wir auch weiter von dieser Kraft und dieser Freude leben. Dabei helfen uns die Worte aus dem Evangelium, aus der Heiligen Schrift.

Besonders stark, meines Erachtens nach, sind die sogenannten „Ich bin Worte“ Jesu, die unsere Aufmerksamkeit direkt auf die Person Jesu und das Wesentliche in unserer Beziehung zu ihm lenken. Sicherlich sind uns diese Worte Jesu durchaus vertraut: „Ich bin der Weg“, „Ich bin die Wahrheit“, „Ich bin der gute Hirte“ oder „Ich bin der Weinstock und ihr seid die Reben“. Dies sind nur einige Beispiele. In dieser „nach österlichen Zeit“ des Kirchenjahres möchte ich Ihre Aufmerksamkeit auf ein Wort Jesu lenken, das wir im Johannesevangelium Kapitel 6  Vers 35 finden. Jesus sagt dort von sich selbst: „Ich bin das Brot des Lebens.“

Das Kapitel 6, in dem diese Worte Jesu stehen, beginnt mit einer wunderbaren Geschichte, der Speisung der 5000 Menschen. Sie zeigt uns, wie ganz viele  Menschen durch ganz Weniges aus Jesu Händen, satt werden. Aber nach der Speisung entfernte sich Jesu von den Menschen, die er zuvor gesättigt hatte. Denn als Folge der Speisung der 5000 wollten die Menschen ihn zu König machen. Sie haben Ihn nicht verstanden, sie sahen in Ihm eine Art „Sicherer Versorger“, einen Brotlieferanten oder Wundertäter. Sie wollten seine großartigen Produkte: Brot, Gesundheit, Glück. Und vor allem, sie wollten noch mehr Zeichen und Wunder von Jesus sehen.

Seine Zuhörer wollten nicht nur Hören sondern auch immer Zeichen und Wunder sehen, etwas Außergewöhnliches. Besondere Zeichen - so richtig mit Überzeugungskraft. So wie damals, als Tausende satt wurden, obwohl kaum etwas da war! Was sind schon fünf Brote und zwei Fische bei 5000 Menschen? Sie benötigten immer wieder diese sichtbaren Zeichen, die zum einen IHN glaubhaft machten und zum anderen ihnen als Beweis dienten, dass er der erwartete Retter und Helfer sei. Jesus lässt sich darauf nicht ein. Er möchte nicht in erster Linie als Wundertäter verehrt werden. Er möchte den Menschen das Wesentliche erklären. Er verzichtet auf eine lange Einleitung. Er kommt sofort zum Kern seiner Botschaft. Er stellt sich selbst in die Mitte und sagt: „Ich bin das Brot des Lebens.“

Was das bedeutet, hat Martin Luther in Kleinen Katechismus in der Antwort auf die Frage: „Was heißt denn tägliches Brot?“ umfassend erklärt: „Alles, was Not tut für Leib und Leben!“ Und dann zählt er auf: „Essen, Trinken, Kleider, Schuhe, Haus, Hof, Acker, Vieh, Geld, Gut, fromme Eheleute, fromme Kinder und schließlich noch:... fromme Gehilfen, gute Freunde, getreue Nachbarn und desgleichen.“ Jesus will uns sagen, genauso wie damals seinen Jüngern: „Ich bin alles, was ihr zum Leben braucht, alles was zu einem wahren, erfüllten Leben gehört.“ An dieser zentralen Aussage Jesu hat sich bis heute nichts geändert. Sie gilt heute noch, wie damals, obwohl unsere Lebensumstände sich wesentlich verändert haben.

In der westlichen Welt leben wir heute in einer Überflussgesellschaft. In unserem Alltag ist die Bedeutung von Brot nicht mehr so bewusst, wie noch vor ca. 70 Jahren. Damals, in der Kriegs- und Nachkriegszeit, bedeutete „Brot“ das Überleben. Brot war knapp und kostbar. Die Menschen gingen sorgfältig mit Brot um, und auf keinen Fall warfen sie Brot weg.

Heute ist das anders geworden. Brot ist fast immer und überall verfügbar. Jederzeit und in jeder Form. Bei dem großen Angebot an Broten haben wir oft die Qual der Wahl. In dem, was Jesus sagt, bekommt das Wort „Brot“ noch einen zusätzlichen, viel tieferen Sinn. Brot beinhaltet die Kraftquelle zum wahren Leben, die Stillung der Sehnsucht nach Liebe, Freude und Geborgenheit. Auch diese übertragene und über sich selbst hinausweisende Bedeutung des Wortes „Brot“ ist uns vertraut. Es geht also auch um das „Brot für die Seele“. Dieses Brot, was Jesus uns geben möchte hat beides im Sinn. Brot für die Erhaltung des menschlichen Lebens und Brot für die Seele. Dieses Brot beinhaltet die Sehnsucht nach der Fülle des Lebens, die wir alle kennen. Die Sehnsucht, die Ahnung, dass es noch mehr gibt, als das, was wir vor Augen haben.

Genau diese Situation wird von Jesus angesprochen. Er kennt uns Menschen. Deswegen sagt er auch uns, den Menschen im 21. Jahrhundert, was er schon seinen Jüngern sagte. Ich bin „das Brot des Lebens“. Kein alltägliches Brot, auch kein garantierter Leckerbissen für besondere Feste, nein, sondern himmlische Speise, die in Ewigkeit satt macht. Und diese Sehnsucht, diesen Hunger nach Leben und Liebe, auch in unserer Überfluss-Gesellschaft, kann nur Jesus stillen. Weil ER der einzige ist, der sagen kann: „Ich gebe dir nicht nur das Brot des Lebens, ich bin das Brot des Lebens, damit du auf ewig gesättigt bist.“ In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine reich gesegnete „nachösterliche Zeit“. Amen!

Dr. Sandra Gintere

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