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Sie haben Hochkonjunktur: die Herzen. In allen Variationen begegnen sie einem. Auf Postkarten, auf dem T-Shirt, in Blumensträußen, sogar an Hauswänden habe ich sie schon entdeckt. Bei Hochzeiten schmücken sie oftmals als Luftballons diesen besonderen Tag. Aber auch in Zeiten der Trauer und des unfassbaren Leides drücken sie eine irgendwie ohnmächtige Form der Menschlichkeit aus. Von der Liebe sollen sie erzählen. Manchmal sogar nur noch die Liebe beschwören. Ehrliche, unverfälschte und bedingungslose Liebe. Sie mögen kitschig anmuten. Aber mit diesen Herzen wollen viele Menschen durchaus eine tiefe Sehnsucht ausdrücken. Wonach? Vielleicht nach einer Welt, in der es auf keinen Fall herzlos zugehen soll. Vielleicht, um einen Traum von vollkommener Liebe zu träumen, in dem es keine Beziehungsprobleme, keine Zwielichtigkeitenund auch keine Kurzlebigkeit gibt. Eigentlich sollen sie ausdrücken, dass wir selbst ein wenig anders, besser und eben fast wie neu sein könnten, wenn wir die Liebe dauerhaft bei uns beherbergen könnten.

Im biblischen Leitwort für 2017 geht es um ein solch wirkliches Neuwerden gegen die alltägliche Herzlosigkeit. Und das, obwohl wir ja ansonsten die Alten bleiben. Mit unseren engen Grenzen. Mit unserem Geiz, unserer Kleinlichkeit und unserer taktischen Kühle für den eigenen Vorteil. „Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.“ Ein solches Herz bekommen wir nicht, wenn wir uns moralisch anstrengen. Es ist auch nicht erst zu spüren in einem besonderen Gefühl. Es ist ein Geschenk, das ja schon da ist. Gott hat es bereits in uns eingepflanzt. Dieses neue Herz hat eine einzige Worte zur Jahreslosung 2017 Funktion: im Herzschlag Gottes zu pulsieren. Es schlägt im Rhythmus eines Gottes, der uns fern und nah zugleich sein kann. Der uns bewegt und uns das Stillhalten lehrt. Der uns empfangen heißt und weitergeben, reden und schweigen, ruhen und tätig sein. Ihn hören und darauf antworten. Seine Vollkommenheit erlangen und mit unserem mäßigen Glauben ihm zu entsprechen suchen. Gott ersetzt euer steinernes Herz, sagt Hesekiel, von dem dieses Bibelwort stammt. So kommt Gott unserer Sehnsucht nach einer gelingenden Welt entgegen. Er ermöglicht sie. Wie? Durch seinen Geist, sagt der Prophet. Der Geist gibt uns für den Alltag einen „hintersinnigen“ Blick. Er lässt mich durch die Erfahrungen hindurch sehen. Selbst durch ernüchternde Erfahrungen von herzlosen Versteinerungen. Sein Geist lehrt mich immer noch mit Gott zu rechnen. Es ist sein Geist, der allem Toten neues Leben einhaucht. Geht das auch in kleiner Münze? Nun vielleicht indem wir jeden neuen Tag des Jahres 2017 betend Gott anbefehlen. „Sei du da Gott, wo ich nicht mehr weiter
komme. Sei da, wenn ich den Menschen begegne, mit denen ich es schwer habe. Sei da, wenn die Tagesschau wieder nur Unfassliches zeigen kann. Sei du da, wenn ich deine Kraft brauche und meine am
Ende ist. Sei da, wenn ich mich wegen meiner Fehler abgründig schäme. Sei da, wenn meine Liebe erkalten will, meinem Hoffen der Atem ausgeht und mein Glaube versickern will.“ So legen wir unser Leben
auf Gottes Herz. Und in Jesus Christus entdecken wir, was es heißt: Gott selber ist barmherzig. Darum kann ich es mit mir und den Anderen sein. Ich wünsche Ihnen ein gutes, herzliches und gesegnetes Jahr
2017.

Peter-Thomas Stuberg
Superintendent

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