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Die Stadthalle ist vollbesetzt. Ein berühmter Pianist verzaubert die Zuhörer mit seiner Kunst. Nach etwas mehr als einer Stunde folgt erst einmal eine Pause.

Der Flügel „schweigt“. Stattdessen hört man das Stimmengewirr der begeisterten Zuschauer. Manche zieht es ins Foyer. Andere verweilen im Konzertsaal, halten ein Schwätzchen oder genießen die Ruhe – bis nach wenigen Minuten ein Klaviergeklimper sie aufschreckt. Da sitzt vorne am Flügel ein Mädchen, vielleicht vier oder fünf Jahre alt. Und sie haut fröhlich und unkontrolliert in die Tasten. Einige Besucher lachen. Ein feiner Herr schimpft: „Können die Eltern nicht besser aufpassen?“ Eine Saalordnerin läuft resolut zur Bühne, stoppt dann aber wieder ab. Denn ganz plötzlich hört sie noch ganz andere Töne. Obwohl die Pause noch längst nicht beendet ist, hat der große Meister neben dem Mädchen wieder Platz genommen. Und er ergänzt das wilde Geklimper der Kleinen mit Tönen, die daraus eine neue Melodie machen. Erstaunlich!

Mir kam diese Begebenheit in den Sinn, als mir vor einiger Zeit die Frage gestellt wurde, was den „Segen Gottes“ ausmacht. Wenn es allein Gott ist, der unsere Taten segnet, dann könnte man meinen, wir brauchen nichts mehr beizutragen, können die Hände in den Schoß legen. Das wäre aber gewiss ein Missverständnis. Sicherlich gleicht unser Tun und Reden oft dem „Geklimper“ des Mädchens. Da gibt es immer wieder Misstöne, da kommen Fehler vor, da ist längst nicht alles perfekt. Aber wenn Gott segnet, macht er das „Unvollkommene“ zu einer Lebensmelodie, die Gott selber groß macht.

Ich denke an König David. Gewiss eine großartige Persönlichkeit in der Geschichte Israels mit vielen Stärken und Fähigkeiten. Aber auch in seinem Leben gibt es „Misstöne“. Trotz mancher falschen Töne wie sein Ehebruch mit Bathseba (2. Samuel 11) segnet Gott ihn und spricht seinen Segen auch seinen Nachkommen zu:

„Wenn aber deine Tage um sind, dass du zu deinen Vätern hingehst, so will ich dir einen Nachkommen, einen deiner Söhne, erwecken, dem will ich sein Königtum bestätigen. Ich will sein Vater sein, und er soll mein Sohn sein.“ (1. Chronik 17, 11 + 13).

In einem Dankgebet dafür in 1. Chronik 17 bekennt der König: „Was der Herr segnet, das ist gesegnet ewiglich“ (Vers 27).

Trotz aller Fehler und Misstöne. So will Gott uns auch segnen und zum Segen setzen an diesem Tag! Rechnen Sie doch heute mit Gottes Segen!

Pfr. Rainer Heuschneider

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