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Wenn die Messer gewetzt werden, dann wird es ernst. Dann fliegen die Fetzen und man zieht sich schmerzhafte Blessuren zu. Weil das so ist, gibt es Menschen, die Streit und Auseinandersetzungen am liebsten aus dem Weg gehen. Lieber sind sie still und fressen Ärger und Frust in sich hinein, als ihnen Luft zu machen. Wie bei einem Staudamm beginnt sich dann beides in ihnen anzustauen. Irgendwann ist es dann zu viel: Der Druck wird übergroß, der Damm bricht und der angestaute Frust, die Aggression sucht sich ihren Weg und hinterlässt nichts als Zerstörung.

Wer Streit immer aus dem Weg geht, bringt sich selbst um die Möglichkeit, rechtzeitig Druck abzulassen und frühzeitig etwas zum Positiven zu ändern. Streit gehört zum zwischenmenschlichen Miteinander dazu und ist nichts Negatives. Die
Bibel ist da sehr realistisch. „Ein Messer wetzt das andre und ein Mann den andern“ heißt es in Sprüche 27,17. In der Übersetzung der Guten Nachricht wird der Vers so wiedergegeben: „Eisen wird mit Eisen geschärft, und ein Mensch bekommt seinen Schliff durch Umgang mit anderen.“ Wenn ein Messer am anderen gerieben wird, werden beide scharf. Wenn ein Mensch sich am anderen reibt, seine Konflikte mit anderen konstruktiv austrägt, wird er geschliffen – veredelt. Durch bewältigte Konflikte kommt es zur persönlichen Reifung.

Beim Messerwetzen im biblischen Sinn geht es nicht darum, die Klingen zu kreuzen und den anderen nach Kräften zu verletzen. Bei Menschen, die die Klingen kreuzen, haben hinterher beide eine Macke. Im biblischen Sinne die Messer zu wetzen bedeutet: Zwei gleichberechtigte Menschen setzen sich ehrlich und offen auseinander und suchen miteinander nach Lösungen, mit denen beide gut leben können. Da geht es darum, einander die Beweggründe für das eigene Handeln darzulegen und gleichzeitig zu hören, was das eigene Verhalten beim anderen bewirkt. Und dann wird jeder um des anderen willen Abstriche machen müssen. So findet man Wege, auf denen man gemeinsam gut gehen kann.
Es geht nicht um Streit um des Streites willen, sondern darum, aneinander und miteinander zu wachsen und zu reifen. Wie heißt es im Buch Prediger: „Streit hat seine Zeit, Friede hat seine Zeit“ (Prediger 3,8).

Pfarrer Martin Schreiber
Ev.-Ref. Kirchengemeinde Neunkirchen

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